
Was sind Betreuungsinseln – und warum sind sie so wertvoll?
Betreuungsinseln sind solidarische Unterstützungsorte, die von engagierten Stadtakteuren, Einrichtungen und Initiativen an Streiktagen bereitgestellt werden. Sie öffnen ihre Türen für Familien, damit der Alltag trotz Kita‑Schließung ein Stück leichter wird.
In einer Betreuungsinsel können Eltern:
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mobile arbeiten, E‑Mails beantworten oder kurze Termine erledigen,
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gleichzeitig ihre Kinder in einem sicheren, anregenden Umfeld dabeihaben,
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und sich mit anderen Eltern untereinander abwechseln oder gemeinsam organisieren.
Während die Aufsichtspflicht weiterhin bei den Eltern liegt, unterstützen die Teams der Betreuungsinsel vor Ort mit:
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kleinen Beschäftigungsangeboten,
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Materialien zum Spielen und Basteln,
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Snacks und einer freundlichen Atmosphäre,
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und einem offenen Ohr für Groß und Klein.
So entsteht ein Ort, der entlastet, verbindet und Solidarität sichtbar macht:
Eltern können arbeiten, Kinder können spielen und sich wohlfühlen — und Stadtakteure zeigen, dass Zusammenhalt in herausfordernden Zeiten möglich ist. Betreuungsinseln sind damit mehr als nur ein Raum:
Sie sind ein Stück Alltag, das wir gemeinsam gestalten, wenn es darauf ankommt.
In der Karte haben wir alle möglichen Betreuungsinseln gespeichert, sodass Eltern schnell einen Überblick über Stadtakteure in Ihrem Kiez gewinnen können.
STREIKS als Dilemma
Kita‑Streiks sind für viele Familien mehr als eine Herausforderung - sie werden schnell zur Zerreißprobe. Viele Eltern geraten bei Ihren Arbeitgebern unter Druck und machen sich Sorgen um Ihre Arbeit und ohnehin oft schwierige finanzielle Situation. Das gilt insbesondere für Mütter, die nach wie vor den größten Teil der Sorgearbeit leisten und gleichzeitig nach der Geburt eines Kindes mit Schlechterstellungen im Beruf zu kämpfen haben. Doch der Grund für die Streiks der pädagogischen Fachkräfte ist natürlich nicht der Wunsch, Familien noch weiter an Ihre Grenzen zu bringen (zumal auch die Fachkräfte oft selbst Eltern sind), sondern der Wunsch, die Zustände in den Kitas endlich für die Kinder und die Fachkräfte zu verbessern. Zustände, die nicht mehr hinnehmbar sind und die Kinder und Fachkräfte physisch und psychisch alltäglich stark belasten.
Die Menschen, die in Kitas arbeiten, streiken nicht, weil sie gegen Eltern handeln wollen – sondern weil sie selbst unter den Bedingungen leiden, unter denen auch unsere Kinder jeden Tag aufwachsen. Zu große Gruppen, zu wenig Personal, kaum Pausen, zu wenig Zeit für Zuwendung, individuelle Förderung oder Gespräche. Diese Belastung ist körperlich wie emotional enorm; sie erschöpft, macht krank und macht vielen die Arbeit dauerhaft unmöglich. Fachkräfte streiken für sich selbst – und damit untrennbar auch für die Kinder, die von besseren Bedingungen am meisten profitieren würden.
Eltern und Fachkräfte haben dieselben Ziele, nur stehen ihnen unterschiedliche Hebel zur Verfügung:
Fachkräfte können ihr Recht auf Arbeitskampf nutzen, weil es juristisch abgesichert ist. Viele Eltern könnten das rein formal zwar auch, praktisch aber nicht – denn unbezahlte Ausfälle können sich die wenigsten leisten. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht in der Möglichkeit, politische Wirkung zu erzielen, obwohl das gemeinsame Anliegen identisch ist: Kindern einen guten, verlässlichen Alltag zu ermöglichen.
Zugleich zeigt der Blick in die aktuelle Berliner Bildungspolitik, dass selbst Reformen wie die jüngste KitaFöG‑Änderung zwar Verbesserungen im U3‑Bereich schaffen, aber laut Fachverbänden und Gewerkschaften zugleich zu Verschlechterungen und Fehlsteuerungen im Ü3‑Bereich führen werden. Die Gewerkschaft Ver.di spricht sogar von einer „Mogelpackung“, da Verbesserungen im U3-Bereich durch Personalverluste in anderen Bereichen wieder aufgehoben werden. D.h. während Familien seit einigen Jahren immer wieder erleben, wie unzuverlässig die Betreuung Ihrer Kinder in den Kitas durch den Personalmangel geworden ist und zunehmend von Bildung nur noch geträumt werden kann - kürzt die Politik in den Kitas und bei den Kleinsten.
Vor diesem Hintergrund ist ein "Weiter-so" nicht mehr akzeptabel und Streiks sind für alle Betroffenen eigentlich zwingend nötig, um der weiteren Verschlechterung der Kitas in Berlin entgegenzuwirken. Und doch: sie treffen die Familien sehr hart.
Betreuungsinseln wollen in diesem Spannungsfeld solidarische Unterstützung für Familien anbieten:
Sie ersetzen keine Kitas – aber sie machen die Streiks bestenfalls für Familien erträglicher. Stadtakteure öffnen dabei ihre Räume und schaffen Orte, an denen Eltern zumindest stundenweise arbeiten können. Während die eigenen Kinder und bestenfalls ein paar Freundeskinder aus der Gruppe von den Mitarbeitenden der Räume bespielt oder mit Bastelaktionen beschäftigt werden. So wird auch Eltern ohne HomeOffice-Option ein Ausweg über Solidarität in den Kitaeltern-Gruppen ermöglicht. Die Aufsichtspflicht bleibt zwar bei den Eltern, aber sie werden vor Ort mit den Kindern unterstützt. Familien können sich dort untereinander abwechseln, vernetzen und solidarisch entlasten.
Denn am Ende geht es genau darum: dass Eltern und Fachkräfte nicht gegeneinanderstehen, sondern auf derselben Seite. Beide sehen, was Kinder brauchen. Beide erleben täglich, was fehlt. Beide wissen, dass Qualität, Verlässlichkeit und Zeit für Beziehung keine Luxuswünsche sind, sondern Voraussetzungen guter frühkindlicher Bildung – und damit Grundlagen einer gesunden Gesellschaft: ökonomisch wie auch humanistisch.
